01.07.2004 - Der erste Tag

Heute morgen um halb elf ging es in Frankfurt los. Acht Stunden spaeter, mittags um halb eins, landen wir in Toronto. Die Einreiseformalitaeten sind schnell erledigt, am Gepäckband kommt auch schon nach kurzer Zeit mein Rucksack. Aber dann - wo bleibt der zweite. Wir warten. Nach und nach wird die Menschentraube um das Förderband kleiner und kleiner. Fuenf Minuten, zehn Minuten, Panik macht sich breit. Soll das etwa das Anfang sein? Schon nach dem ersten Flug die Hälfte des Gepäcks verloren? Aber dann kommt doch noch der zweite Rucksack - Erleichterung.

Nach kurzer Busfahrt vom Flughafen in die City müssen wir noch einen Häuserblock zu Fuss zu unserem Hostel gehen. Unterwegs kommen wir an diversen Kneipen und Bars vorbei, aus denen jeweils lautstarke Fussballkommentatoren zu hören sind. Auf Fernsehern und Grossbildprojektionen laueft die EM. Holland gegen Portugal. Und wir sind wohlgemerkt in Kanada! Auf einer Barterasse verfolgt eine Gruppe mit orangefarbenen T-Shirts mit lautstarker Begeisterung das Spiel. Autos mit Portugalflaggen fahren vorbei.
Allem Anschein nach muss Portugal gewonnen haben, denn nach dem Spiel sind die orangenen T-Shirts verschwunden, während sich die Autos mit Portugalflagge vermehrt zu haben scheinen.

Irgendwie sind wir doch wahnsinnig müde. Als wir schliesslich um sieben Uhr abends ins Bett fallen, haben wir noch kurz Gelegenheit, unsere Mitbewohner, die das Zimmer mit uns teilen, kennen zu lernen. Es sind Simone und Rob. Sie kommt aus Trier, reist für drei Monate durch Kanada und wird dann für ein Jahr im Osten arbeiten. Im Osten? Also Leipzig, Berlin oder Magdeburg? Nein, im Osten Kanadas, was, nach ihrer Aussage, von Deutschland aus nicht so einfach zu organisieren war. Rob ist waschechter Kanadier und seit kurzem ihr Freund. Er hat seine Urlaubskasse von April bis Juni als Baumpflanzer aufgebessert. Mit seiner Clique werden die beiden morgen früh aufbrechen und weiterziehen. Vielleicht sehen wir sie irgendwo wieder. Kanada ist ja schließlich auch nur ein Dorf.

© Alle Texte und Bilder: Wolfgang Schürholt
Jede weitere Verwertung bedarf der Rücksprache
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